Interview mit Richard Heinritz, Wella Chef Österreich
Fotocredit: Martin Steiger

Interview mit Richard Heinritz, Wella Chef Österreich

Über lehrreiche Lehrzeiten, Friseur-Ausbildung, Berufsfindung und Zukunftspläne.

Richard Heinritz im Gespräch mit Raphaela Kirschnick

Österreicher, Wiener, gelernter Friseur, gestandener Businessmann mit Erfahrung in allen Beauty Kategorien und jetzt WELLA Chef Österreich – damit gibt COTY ein klares Signal für einen starken Fokus auf Österreich. Zu tun gibt es Einiges!

imSalon: Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Nach zwei Monaten sind Sie ja bereits bei den ersten Kunden vorbeigekommen… Was ist das Erste, auf das Sie angesprochen werden?
Richard Heinritz:
Viele kennen mich ja noch von früher, die haben mich sehr herzlich empfangen und wollten erstmal wissen, was ich dazwischen gemacht habe. Die zweite Frage ist dann logischerweise: ‚Was machst du jetzt bei Wella?‘

„In meiner Funktion denke ich markenübergreifend…“

Und was machen Sie bei Wella?
RH:
Wella ist nur die größte Marke! Für mich sind wir aber mehr als nur Wella, nämlich Coty Professional Beauty, da gibt es auch Londa, Sebastian, Sassoon, OPI, ghd. Es denken, nach wie vor, viele in Marken. In meiner Funktion denke ich markenübergreifend und möchte das auch unseren Partnern mitgeben.

Wie kann man hier zum Umdenken anregen?
RH:
Man braucht sich nur fragen: Wie bin ich selbst als Konsument? Wir tragen doch auch nicht von Kopf bis Fuß die gleiche Marke, sondern haben unterschiedlichste Bedürfnisse. Ich kann nicht mit jeder Marke jedes Bedürfnis befriedigen, aber wir bieten für jedes Bedürfnis eine Marke. Den „Single Brand Store“ gibt es nicht mehr.

„Ich schneide noch meiner Frau die Haare…“

Sie sind ja gelernter Friseur – greifen Sie ab und zu zur Schere?
RH:
Die Einzige, die mir hier nach über 20 Jahren noch vertraut, ist meine Frau. Ihr schneide ich die Haare und sie ist da extrem kritisch. Ich scheine es noch gut zu machen, ansonsten erfahre ich es direkt (lacht).

“Meine Lehrzeit war die heilsamste Zeit in meinem Leben…”

Was war besonders prägend aus Ihrer Zeit als Friseur?
RH:
Mit Sicherheit die Lehrzeit. Das war die heilsamste und interessanteste Zeit in meinem Leben.

Bei wem haben Sie gelernt?
RH:
Über drei Ecken bin ich zu Ernst Peter Neumann in Wien gekommen.

Ach beim Ernstl, na die Welt ist klein. Und wie war das so, als Lehrling?
RH:
Wenn du als Jugendlicher, der noch nie gearbeitet hat, in den Friseurberuf einsteigst, der so intensiv ist, da bekommst du ein gutes Gefühl dafür, was es bedeutet zu arbeiten und wie sauer du dir dein Geld verdienst.

Was war das damals?
RH:
380 Schilling (27 €) die Woche. Wochenends habe ich noch gekellnert, damit ich mir meine Ausbildung leisten konnte. Das erdet!

„Das war nicht Heute-Friseur-Morgen-Geschäftsführer“

Da ist ihre Familie sicher sehr stolz! Vom Friseurlehrling zum Geschäftsführer Wella?
RH:
Natürlich! Das ist aber keine alltägliche Situation. Es gab schon viele Zwischenschritte mit harter Arbeit, intensivem Lernen. Das war nicht Heute-Friseur-Morgen-Geschäftsführer.

Interview mit Richard Heinritz, Wella Chef Österreich
Fotocredit: Martin Steiger

Wie lange haben Sie als Friseur gearbeitet?
RH:
Ich habe die Lehre beendet und danach noch drei Jahre gearbeitet. Daneben habe ich eine klassische kaufmännische Ausbildung gemacht.

Hätten Sie gedacht, dass Sie wieder in die Friseurbranche zurückkehren?
RH:
Ganz klar: Ja!

Haben Sie ein persönliches Motto?
RH:
Wer nicht permanent vorwärts geht, bleibt irgendwann stehen – und wer stehenbleibt, fällt irgendwann zurück.

Auf was freuen sie sich am Meisten?
RH:
Im Herbst gibt es eine tolle Innovation. Ich habe diese schon selbst ausprobiert, mit Education und Kunden darüber gesprochen, wir werden damit einen echten Meilenstein setzen (strahlt).

Koleston Perfect neu, ich bin schon sehr gespannt, darüber sprechen wir dann beim nächsten Mal.
Was sind derzeit ihre größten Herausforderungen?
RH:
Es ist noch sehr viel Ankommen, Kennenlernen, Hinterfragen, Verstehen. Ich führe viele schöne Gespräche, um ein Gefühl zu kriegen, was bewegt die Branche, wie denken die Mitarbeiter, wo liegen Markenprioritäten.

Und?
RH:
Die ersten Erkenntnisse sind sehr schön: Wir werden als sehr stark und stabil wahrgenommen. Viele Mitarbeiter sind seit vielen Jahren dabei, vom Markenportfolio her sind wir breit aufgestellt.
Die einzige Frage, die wir uns immer stellen müssen, ist: Ist das was wir machen, das Beste das wir machen können?

Fotocredit: Martin Steiger

Wie abhängig sind Sie dabei von Deutschland?
RH:
Wir haben eine DACH Struktur. Hinter uns steht ein internationaler Großkonzern. Da werden Entscheidungen global und über Grenzen hinweg entschieden. Wäre es anders, könnte man große Innovationen wie das neue Koleston Perfect gar nicht entwickeln und finanzieren.

Viele Friseure beanstanden Abhängigkeit von Deutschland.
RH:
Es funktioniert nicht, dass man Österreich wie eine Schweiz oder ein Deutschland behandelt. Und vice versa. Man muss die Gegebenheiten eines jeden Marktes berücksichtigen und dafür braucht es ein starkes Team vor Ort. Wir wissen um die Gegebenheiten des Marktes, kennen unsere Kunden und können dadurch gemeinsam erfolgreiche Wachstumspläne erstellen.

„Das Headquarter bleibt in Österreich…“

Bleibt das österreichische Headquarter bestehen?
RH:
Ja, wir werden auch in Zukunft in Österreich präsent sein.

Und wenn Sie nicht Shampoo verkaufen, dann…?
RH:
… gehe ich im Winter ganz klassisch Snowboarden und im Sommer gerne Mountainbiken.

Ein echter Österreicher eben!
RH:
Ein bisschen strange, aber eines meiner liebsten Hobbies ist Meeresangeln in Norwegen. Ich fröne dem jedes Jahr eine Woche mitten im Nirgendwo – Mittsommer ist phantastisch, man sitzt um drei Uhr morgens im Boot und es scheint die Sonne.

„Gut überlegen, wann und wo man was tut…“

Und daraus nehmen sie für den Job was mit?
RH:
Man muss alles bis ins kleinste Detail planen und sehr strategisch vorgehen, ich denke, darum entspricht es mir. Gut überlegen, wann und wo man was tut.

Genau: Heute, Hier zu Reden war genau richtig und so wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei einer spannenden Aufgabe.

Fotocredit: Martin Steiger | www.martinsteiger.at

August 2018