Corina Bless traumjobt durch die Welt
Fotocredit: Martin Steiger

So vielseitig kann Friseurjob sein – Corina Bless traumjobt durch die Welt

Als Global Edcuation Managerin bei Paul Mitchell Systems entdeckt sie Talente in Friseursalons und verhilft zu Erfolg und Traumkarriere.

Ein Gespräch mit Katja Ottiger

imSalon: Als Global Education Managerin kommst du viel rum.
Corina Bless: Ja! Mein Arbeitsgebiet ist hauptsächlich in Europa, „meine“ Leute sind verteilt, also reise ich viel herum. Ich schule und coache sie und sehe mir immer wieder gerne das Endresultat an.

Worauf schaust du dann?
CB:
Darauf, dass sie authentisch sind, sich selbst nicht so wichtig nehmen. Erfolg kommt, wenn man loslässt und das vorlebt, was man unterrichtet. Leading by example! Vom Friseur für den Friseur! Schlussendlich geht es darum, Friseure erfolgreicher zu machen!

“Leading by example! Erfolg kommt, wenn man loslässt und vorlebt.”

Wie findest Du neue Education Team Member bzw. Freelancer?
CB:
Ich fahre immer wieder in Salons, um ein Gefühl für die Teams zu bekommen. Dabei entdecke ich Talente, die mich durch ihre Persönlichkeit oder technischen Skills beeindrucken.

Fotocredit: Martin Steiger

Was war deine beeindruckendste Education-Erfahrung?
CB:
Ein Educator in Griechenland. Er ist ein sehr, sehr guter Friseur. Nur, was ich anfangs nicht wusste, ist, dass er vor vielen Jahren ein Motorradunfall hatte und seitdem seine rechte Hand nur eingeschränkt bewegen kann. Stehen ist für ihn sehr anstrengend. Aber trotzdem hat er bei mir die Educator-Prüfung abgelegt. Er ist für mich einer der größten Talente in Europa und beweist, dass man alles schaffen kann, was man will.

Wie viele Länder hast du bereist?
CB:
Um die 34. 26 davon in Europa, dazu kommen Myanmar, Sri Lanka, USA und Israel!

“34 Länder! …”

Puh! Gibt es hier einen Favoriten?
CB:
Wow, das ist schwer! Wenn ich in Skandinavien bin, finde ich das so wunderschön, diese Menschen, diese Landschaft, vor allem im Winter! Oder die Polen! In Krakau war ich geflasht, wie schön das dort ist, wie historisch. Dann Griechenland, Spanien, Portugal …, das Mediterrane, diese Familienkultur, wie die Generationen miteinander leben. Jedes Land hat soviel Schönes an sich.

Viele Kulturen. Viele Religionen. Woran glaubst du?
CB:
Ich glaube an das Leben! Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, in einem katholischen Internat unter Nonnen! Ich arbeite viel in muslimischen Ländern, ich kenne den Buddhismus aus Sri Lanka. Ich will einfach die Welt sehen, so viele Menschen wie möglich kennenlernen und die Kulturen in mich aufsaugen.

Hättest du dir jemals träumen lassen, was du mit deiner Friseurausbildung erreicht hast?
CB:
Meine Mutter sagte mal zu mir: „Weißt du, schon als Kind hast du geträumt, die Welt zu bereisen, dich mit deinem Koffer am Flughafen stehen sehen. Und jetzt lebst du das.“ (lacht) Ich hätte nie gedacht, dass das so kommt.

Dein Karriererezept?
CB:
Ich bin einfach immer nur mit dem Flow gegangen. Bei meinem ersten Paul Mitchell-Training war ich so inspiriert, dass ich nur dachte: Cool, das will ich machen!

Paul Mitchell – warum?
CB:
Salonexklusivität und: (strahlt) John Paul! (Anm. John Paul DeJoria, Founder)

Du kennst ihn persönlich?
CB:
Natürlich, er ist ja mein Chef und ich habe ihn auch schon oft auf seinen Reisen in Europa begleitet.

Wie ist John Paul so hautnah?
CB:
Ich verehre ihn so, wie es jeder in dieser Firma tut. Er lebt vor, was Paul Mitchell verkörpert. Anfangs dachte ich, komm, das ist doch alles bloß Marketing! Aber nein, das ist ER! Das ist John Paul! Wenn er den Raum betritt, ist er voll da. Giving Back, das ist das, was mich so inspiriert! Du merkst das beim internationalen Gathering in Las Vegas. Wir sind eine große Familie! Das ist der Grund, warum ich für diese Firma arbeite.

Fotocredit: Martin Steiger

Du warst heuer beim Hair Camp auf der Bühne. Was macht es in puncto Education so besonders?
CB:
Spirit und Leidenschaft für die Friseure. Diese Energie spürst du da immer besonders. Teamwork ist hier wichtig, alles geht Hand in Hand. Alle bewegen sich hier auf einem Level. Bei uns gibt es keine Anarchie, jeder ist wichtig, ob Noah Wild oder New Talents. Das einzige, das uns unterscheidet, sind unsere verschieden Aufgabenbereiche.

Stehst du noch im Salon?
CB:
Ja. 4 Tage im Monat in Chur (Anm. Schweiz). Wie kann ich schulen, wenn ich nicht mehr praktisch arbeite?

Wer schult denn eigentlich dich?
CB:
Gute Frage! Ich habe Mentoren überall auf der Welt. Egal, wo und bei wem ich mich wieder pushen möchte, fliege ich zu ihnen und lasse mich schulen. Oder wir schulen uns gegenseitig.

“18 Monate ohne festen Wohnsitz, da habe ich gelernt zu reduzieren.”

Was war deine längste Reise?
CB:
18 Monate ohne festen Wohnsitz. (lacht) Da habe ich gelernt, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wie lange kommst du mit einem Handgepäckkoffer aus?
C.B.:
Drei Wochen kriege ich hin.

Was ist immer dabei?
CB:
1. Pantoffeln, weil ich es hasse, barfuß über den Hotelzimmerboden zu laufen, geht gar nicht!
2. Heels für die Bühnenauftritte und
3. Meine Flughafenschuhe, weil wir laufen ja extrem viel.
Das einzige Problem sind meine Scheren! Ich bin Linkshänderin, stolze Linkshänderin! Ich kann mir also nicht irgendeine Schere ausleihen.

Die deutsche friseurakademie z.B. macht ja immer wieder mal ein Linkshänder-Seminar.
CB:
Ehrlich? Eine Marktlücke! Auch die Scheren! Du hast 10.000 Rechtshänder-Versionen, bei Linkshändern vielleicht vier. Mehr davon bitte!

Ich bin auch so ne Linke! Kann mit rechts kein Messer benützen.
CB:
Oder eine Büchse öffnen! Ich denke immer: Bin ich so bescheuert? Das Fenster aufmachen ist für Rechtshänder oder der Ständer vom Fahrrad … das ist alles rechts.

Alles rechts, wir brauchen mehr links!
CB:
Das darfst, glaub ich, gar nicht sagen.

Na gut, machen wir Schluß! Corina, es hat mich sehr gefreut. Vielen Dank für deine Zeit!

Fotocredit: Martin Steiger

Oktober 2018