Credit: WKO Vorarlberg

Günther Plaickner: Das Konzept Lehrlingswettbewerb braucht eine Neuerung

Die New Talent Hairshow löst in Vorarlberg den Lehrlingswettbewerb ab – ein Vorreiterkonzept, das bundesweit überzeugen kann?

Der Vorarlberger Landesinnungsmeister Günther Plaickner im Gespräch mit Katja Ottiger von imSalon.at
 

imSalon: Was ist die New Talent Hair Show, die das HAARWERK bzw. den Lehrlingswettbewerb in Vorarlberg ablösen soll?
Günther Plaickner:
 Eine Haarshow, bei der die Lehrlinge aller drei Lehrjahre in unterschiedlichen Gruppierungen gemeinsam mit einer Trainerin eine Show konzipieren, auf der Bühne stehen und live frisieren. Bei dieser Show wird nicht nach Ausschreibung gearbeitet, sondern die New Talents können zeigen, was sie unter Trend und Mode verstehen.

„Das Konzept Lehrlingswettbewerb war lange gut, aber es braucht eine Neuerung.“

Also ein völlig neues Konzept, das von Bekanntem abweicht?
GP: Genau. Generell bin ich ein Befürworter des Landeslehrlingswettbewerbes, nur ist er in meinen Augen nicht mehr zeitgemäß. Jugendliche leben in einer digitalisierten Welt, sie wollen ein bisschen Show und ihre Kreativität und den Spaß am Arbeiten in den Vordergrund stellen; das perfektionierte Preisfrisieren ist da weniger attraktiv.

„Ich werfe das neue Konzept in den Raum, was daraus wird, wird sich zeigen.“

Das Haarwerk bzw. die Lehrlingswettbewerbe waren 25 Jahre mehr oder weniger erfolgreiche Wettbewerbe, allerdings hat das Interesse daran in den letzten Jahren nachgelassen, was die Zahlen klar belegen. Das Konzept Lehrlingswettbewerb war lange gut, aber braucht eine Neuerung und es ist eine riesige Challenge, den Jugendlichen hier Neues zu bieten. Ich denke, dass irgendwann jemand damit anfangen muss, Neues zu wagen. Deshalb werfe ich dieses neue Konzept, das auch im 2-Jahres-Rhythmus und bundesländerübergreifend denkbar ist, in den Raum – was daraus wird, wird sich zeigen.

Alle zwei Jahre – dann findet in dem Zwischenjahr kein Landeslehrlingswettbewerb statt?
GP: Richtig, einen Wettbewerb mit Pokalen ect. soll es so nicht mehr geben.

Was ist dann mit dem Bundeslehrlingswettbewerb?
GP: Die Bundesmeisterschaft machen wir natürlich mit! Wir suchen aus dem Pool unserer New Talents sechs motivierte Jugendliche heraus, jeweils zwei pro Lehrjahr, die in der Akademie von Bernd Wohlgenannt und seinem Team explizit auf die Anforderungen des Bundesentscheides vorbereitet werden.

Lehrlinge vom 1. bis zum 3. Lehrjahr konnten sich für die New Talent Hairshow bewerben. Was sind die Teilnahmebedingungen?
GP: 
Es gibt keine. Jede und jeder kann mit eigener Idee kommen und sich anhand von Fotos bewerben. Wir haben nun 25 Teilnehmende und damit mehr, als wir angedacht hatten. Ich habe bereits die ersten Bilder gesehen und muss sagen, das tolle Einsendungen dabei sind und dass die Qualität passt. Am kommenden Sonntag gibt es das erste Zusammentreffen der Teilnehmenden und ihrer Modelle und es wird gemeinsam mit Michelle Barnes (international tätige Paul Mitchell Trainerin, Anm.) besprochen, was schnitt-, farb- oder frisurentechnisch ausgearbeitet werden soll.

Die Lehrlinge werden in einem Trainingsprozess auf die Show vorbereitet, wie kann ich mir das vorstellen? 
GP: In der Vergangenheit waren die Unternehmer*innen mehr oder weniger verpflichtet, ihre Auszubildenden auf den Lehrlingswettbewerb vorzubereiten. Nun werden die Lehrlinge an vier Sonntagen von Michelle Barnes in Kooperation mit Paul Mitchell trainiert. Gemeinsam mit ihr lernen die Jugendlichen, den eigenen Trendlook zu kreieren und umzusetzen, von der freien Idee bis zum finalen Look auf der Bühne, auch mit Choreografie und entsprechenden Outfits.

Paul Mitchell ist als Kooperationspartner mit an Bord. Verliert das Preisfrisieren der Lehrlinge damit nicht seine Firmenunabhängigkeit?
GP: 
Das Wort `Preisfrisieren` will ich in dem Rahmen, wie wir es gewohnt waren, nicht mehr gebrauchen. Wenn wir den Verlauf Preisfrisieren auf internationaler Ebene beobachten, sagt es uns genau dasselbe – stark abnehmend. Firmenunabhängig werden wir nie sein können, weil diese Art Präsentation mit Show nur mit Unterstützung von Industrie möglich ist. Wir brauchen Kooperationspartner, denn es braucht neben dem Training auch Make-up und Kostüme für die Show und wir freuen uns über die Unterstützung von Paul Mitchell.

Das Projekt kann in den kommenden Jahren mit anderen Partnern umgesetzt werden?
GP:
 Wir werden alle Landesinnungsmeister einladen, sich die New Talent Hairshow anzuschauen und wir hoffen, sie für das Konzept begeistern zu können. Und wir sind für jeden Kooperationspartner offen, der Start passiert gemeinsam mit Paul Mitchell, alles Weitere wird sich weisen.

„Wir möchten, dass die New Talent Hairshow nach außen hin imagebildend ist.“

Wer sitzt bei der Show im Publikum?
GP: Wir werden das halbe Land motivieren, sich diese Show anzuschauen, deshalb findet sie extra samstags 18 Uhr statt: die Politik, die Familien, die Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir möchten, dass die New Talent Hairshow nach außen hin imagebildend ist und auf diese Art und Weise Interesse für den Beruf Friseur*in und Stylist*in weckt.

Die imSalon Redaktion, wird am 22.04. in Rankweil dabei sein und darüber berichten.