Credit: Adobestock / H_Ko / Winterbilder

Ukrainische Friseur*innen bereichern die Branche

Kaum sind wir mit unserer Aktion „Salons für die Ukraine” gestartet, kamen die ersten Kommentare, in puncto “billige Arbeitskräfte“. Wir haben hinterfragt, wie ukrainische Kolleg*innen ausgebildet werden und was sie in ihrer Heimat verdienen.

Wir haben hinterfragt, wie ukrainische Kolleg*innen ausgebildet werden und was sie in ihrer Heimat verdienen. 

Wir haben mit Friseurinnen gesprochen, die ihre Ausbildung in der Ukraine gemacht haben.
 

Ausbildungswesen ukrainischer Friseur*innen  

Die Ausbildungsdauer an einer Berufsschule in der Ukraine variiert in der Regel je Eingangsqualifikation zwischen einem Jahr (nach Abschluss der 11. Schulstufe) und 3 Jahren nach Abschluss der 9. Schulstufe.

Ukrainische Friseur*innen besuchen aber nicht unbedingt eine Berufsschule, vor allem dann nicht, wenn sie bereits einen anderen Beruf erlernt haben. Sie belegen zumeist Kurse/Colleges. Die Lerninhalte und Zeugnisse/ Diplome dieser Kurse geben Aufschluss über Niveau und Qualität des Bildungsabschlusses. Ob Schneiden, Färben, Balayage – sie sind Spezialist*innen auf ihrem Gebiet und konzentrieren sich auf Fachgebiete. Es ist eher selten, dass sie alles können und setzen die Teams in den Salons entsprechend zusammen – auch, wenn es sich um Stuhlmieter handelt (Mehr dazu unten beim Punkt „Selbstständigkeit“).
 

Ukrainische Friseur*innen: Weiterbildung

Ukrainische Friseur*innen bilden sich in der Regel gern und regelmäßig weiter, sie sind modeaffin und besitzen ein gutes Gespür für Ästhetik. Gibt es einen neuen Trend, der sie interessiert, belegen sie weitere Kurse bzw. Ausbildungen.
 

Das Image ukrainischer Friseur*innen

Ukrainische Friseur*innen arbeiten in einem, von der Gesellschaft anerkannten, Beauty-Job und werden für ihre Qualität geschätzt. Sie kennen kein Imageproblem. Die ukrainischen Kund*innen sind es gewohnt, regelmäßig zum Friseur zu gehen. Den Besuch beim Friseur, Kosmetik-, Maniküre- oder Beautysalon leistet man sich und frau ist stolz auf ihre*n Friseur*in.

Auch wenn man das Lohniveau nicht direkt vergleichen kann, gehört der Friseurberuf in der Ukraine nicht zu den Niedriglöhnern. Ein Haarschnitt kann, je nach Örtlichkeit, zwischen 20 und 70 Euro kosten.
Auch in der Ukraine gibt es natürlich Billig-Friseurshops, in denen 10-15 Minuten Trockenschnitte in der Masse angeboten werden. Barbershops sind zumeist extrem cool und im positiven Sinn „abgehoben“.
 

Berufliche Selbstständigkeit ukrainischer Friseur*innen

Ukrainische Friseur*innen arbeiten oft als Selbstständige in der Art, wie wir es von Stuhlmietern kennen: Entweder sie zahlen Raummiete und nutzen die bestehende Infrastruktur, bringen aber ihre eigenen Produkte mit. Oder sie mieten sich in bestehenden Salons nach dem Prinzip 50/50 ein: sie nutzen Arbeitsplatz, Produkte, Wasser, Energie. 50 Prozent ihrer Einnahmen gehen in diesem Fall an die Salonbetreiber*innen, 50 Prozent bleiben bei ihnen und werden entsprechend versteuert. In der Vergangenheit war es in der Ukraine „usus“, Geld an der Steuer vorbei zu arbeiten. Aber unter der neuen Führung von Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich das geändert, man schaut genauer hin und hat Schwarzarbeit den Kampf angesagt.


Fazit

Wir sollten bei den aus der Ukraine zu uns kommenden Kolleg*innen nicht von „billigen Arbeitskräften“ sondern von gut ausgebildeten Kolleg*innen sprechen, die dem heimischen Fachkräftemangel durchaus etwas entgegen zu setzen haben und diesen bereichern können. Wir alle wissen, es muss sich etwas ändern, und zwar rasch! Ob Ausbildungswesen, Spezialisierung, Image … ein Blick auf die ukrainischen Kolleg*innen lohnt sich allemal.